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Energiepreis-Pauschale - Fragen und Antworten

Mit dem Steuerentlastungsgesetz wurde am 20. Mai auch die Energiepreis-Pauschale (EPP) beschlossen. Bei näherer Betrachtung ergeben sich viele Fragen zu dem Thema. Dazu hat das Bundesministerium der Finanzen am 17.06.2022 recht umfangreiche FAQs zur EPP zusammengestellt. Hier sind sie:

I. Allgemeines

Die Energiepreispauschale (im Folgenden nur noch „EPP“) von 300 Euro soll diejenigen
Bevölkerungsgruppen entlasten, denen typischerweise Fahrtkosten im Zusammenhang
mit ihrer Einkünfteerzielung entstehen und die aufgrund der aktuellen
Energiepreisentwicklung diesbezüglich stark belastet sind. Die EPP ist sozial
ausgestaltet. Sie ist in der Regel steuerpflichtig, so dass sich die Nettoentlastung
entsprechend der persönlichen Steuerbelastung mindert.

II. Anspruchsberechtigung

1. Wer ist anspruchsberechtigt?

Anspruch auf die EPP haben alle Personen, die während des Jahres 2022 (ggf. auch nur
für einen Teil des Jahres) in Deutschland wohnen oder sich gewöhnlich dort aufhalten
(unbeschränkte Einkommensteuerpflicht) und im Jahr 2022 Einkünfte aus einer der
folgenden Einkunftsarten beziehen:
§ 13 Einkommensteuergesetz (Land- und Forstwirtschaft),
§ 15 Einkommensteuergesetz (Gewerbebetrieb),
§ 18 Einkommensteuergesetz (selbständige Arbeit) oder
§ 19 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz (Einkünfte als Arbeitnehmer
aus einer aktiven Beschäftigung).
Personen, die in Deutschland leben und bei einem Arbeitgeber im Ausland beschäftigt
sind (Grenzpendler und Grenzgänger sowie in Botschaften/Generalkonsulaten
beschäftigte Ortskräfte), erhalten ebenfalls die EPP. Die EPP wird in diesen Fällen jedoch
nicht über den Arbeitgeber ausgezahlt. Entsprechende Arbeitnehmer erhalten die EPP
nur mit der Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 von ihrem
deutschen Finanzamt. Der Anspruch auf die EPP besteht unabhängig davon, ob
Deutschland auch das Besteuerungsrecht an den maßgeblichen Einkünften nach § 13,
§ 15, § 18 oder § 19 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz zusteht.

2. Welche Arbeitnehmer sind anspruchsberechtigt?

Anspruchsberechtigt sind u.a. nachfolgende Personen
- Arbeiter, Angestellte, Auszubildende, Beamte, Richter, Soldaten,
- kurzfristig und geringfügig Beschäftigte („Minijobber“) sowie Aushilfskräfte in
der Land- und Forstwirtschaft, unabhängig von der Art des Lohnsteuerabzugs
(pauschale Lohnsteuer oder individuelle Lohnsteuer),
- Arbeitnehmer in der passiven Phase der Altersteilzeit,
- Personen, die ein Wertguthaben bei der DRV Bund entsparen,
- Freiwillige im Sinne des § 2 Bundesfreiwilligendienstgesetz (BFDG) und
Freiwillige im Sinne des § 2 Jugendfreiwilligendienstegesetz (JFDG),
- Arbeitnehmer, die steuerpflichtige oder steuerfreie Zuschüsse des Arbeitgebers
erhalten (z. B. nach § 20 Mutterschutzgesetz - MuSchG -),
- im Inland unbeschränkt steuerpflichtige Grenzpendler und Grenzgänger,
- Personen, die ausschließlich steuerfreien Arbeitslohn beziehen (z. B.
ehrenamtlich tätige Übungsleiter oder Betreuer),
- Werkstudenten und Studenten im entgeltlichen Praktikum,
- Menschen mit Behinderungen, die in einer Werkstatt für Menschen mit
Behinderungen tätig sind,
- Arbeitnehmer mit einem aktiven Dienstverhältnis, die dem
Progressionsvorbehalt unterliegende Lohnersatzleistungen beziehen
([Saison-]Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld,
Elterngeld, Verdienstausfallentschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz,
Transferkurzarbeitergeld etc.); siehe § 32b Absatz 1 Satz 1 Nummer 1
Einkommensteuergesetz (nicht anspruchsberechtigt sind Empfänger von
Arbeitslosengeld I, weil kein Dienstverhältnis besteht)

3. Welche Dienstverhältnisse werden anerkannt (z. B. unter Angehörigen)?

Es gelten die allgemeinen Grundsätze. Voraussetzung für die steuerliche Anerkennung
eines Dienstverhältnisses ist in jedem Fall, dass es ernsthaft vereinbart und
entsprechend der Vereinbarung tatsächlich durchgeführt wird. Die steuerrechtliche
Anerkennung des Vereinbarten setzt voraus, dass die Verträge zivilrechtlich wirksam
zustande gekommen sind und inhaltlich dem zwischen Fremden Üblichen entsprechen.
Wird nur pro Forma ein Vertrag abgeschlossen, um die EPP zu erhalten (z. B.
„Gefälligkeitsverhältnis“), besteht kein Anspruch auf die EPP. Auf mögliche straf- oder
bußgeldrechtliche Konsequenzen wird hingewiesen (vgl. X.).

4. Sind Empfänger von Versorgungsbezügen sowie Rentnerinnen und
Rentner anspruchsberechtigt?

Empfänger von Versorgungsbezügen (insbesondere Beamtenpensionäre) sowie
Rentnerinnen und Rentner, die im Jahr 2022 keine Einkünfte aus Land- und
Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständiger Arbeit oder Einkünfte als Arbeitnehmer
aus einer aktiven Beschäftigung erzielen, erhalten keine EPP. Wenn Seniorinnen und
Senioren neben ihren Alterseinkünften noch in einem aktiven Dienstverhältnis oder als
Freiberufler oder Unternehmer tätig sind und aus einer dieser Tätigkeiten Einkünfte
beziehen, dann erhalten sie die EPP.
Zu den gewerblichen Einkünften gehören z. B. Einkünfte aufgrund des Betriebs einer
Photovoltaikanlage. Wird die Vereinfachungsregel nach dem BMF-Schreiben vom
29. Oktober 2021 (BStBl. I S. 2202) in Anspruch genommen, liegen keine gewerblichen
Einkünfte vor.

5. Erhalten Personen, die im Inland weder einen Wohnsitz noch einen
gewöhnlichen Aufenthalt haben, die EPP?

Nein. Steuerpflichtige ohne Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland,
insbesondere beschränkt steuerpflichtige Grenzpendler, erhalten die EPP nicht. Dies gilt
auch, wenn diese nach § 1 Absatz 3 Einkommensteuergesetz auf Antrag als unbeschränkt
steuerpflichtig behandelt werden. Mit der Begrenzung auf unbeschränkt Steuerpflichtige
in Deutschland trägt der Gesetzgeber dem Umstand Rechnung, dass die höheren
Energiepreise in Deutschland Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im
Inland besonders treffen. Im Ausland lebende Personen sind eventuell niedrigeren
Energiepreisen als in Deutschland ausgesetzt oder profitieren von vergleichbaren
staatlichen Maßnahmen, die die dortige Bevölkerung ebenfalls von den Energiepreisen
entlastet.

6. Wann und wie lange muss die Tätigkeit ausgeübt werden?

Steuerpflichtige müssen im Jahr 2022 anspruchsberechtigende Einkünfte erzielen. Die
Tätigkeit muss weder zu einem bestimmten Zeitpunkt noch für eine Mindestdauer
ausgeübt werden (vgl. aber II. Nr. 3).

7. Kann eine Person die EPP und zusätzlich die Einmalzahlung für
Transfergeldempfänger erhalten?

Ja, die beiden staatlichen Leistungen schließen sich nicht gegenseitig aus. Die
Anspruchsberechtigungen sind jeweils gesondert zu prüfen.

Der Buchhalter e.V. Noch Fragen

III. Entstehung des Anspruchs

Welche Bedeutung hat der 1. September 2022 für die EPP?

Gesetzlich geregelt ist, dass der Anspruch auf die EPP am 1. September 2022 entsteht.
Der 1. September 2022 markiert aber keinen Stichtag für die
Anspruchsvoraussetzungen. Anspruch auf die Zahlung hat jede Person, die irgendwann
im Jahr 2022 die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt hat.

IV. Festsetzung mit der Einkommensteuerveranlagung

1. Wie wird die EPP festgesetzt?

In jedem Fall, in dem für das Jahr 2022 eine Einkommensteuererklärung abgegeben
wird, prüft das Finanzamt, ob ein Anspruch auf die EPP besteht. Auch Arbeitnehmer, die
ihre EPP noch nicht über den Arbeitgeber erhalten haben, bekommen sie anhand ihrer
Angaben mit der Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022. Ein
besonderer Antrag ist nicht erforderlich. Im Steuerbescheid wird dann neben der
Einkommensteuer auch die EPP festgesetzt.

2 Müssen Steuerpflichtige einen gesonderten Antrag zur Festsetzung der EPP
in der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 stellen?

Nein. Wenn Steuerpflichtige im Jahr 2022 anspruchsberechtigt sind und keine
Auszahlung der EPP durch den Arbeitgeber bzw. keine Herabsetzung der
Einkommensteuer-Vorauszahlung zum 10. September 2022 erfolgt ist, dann reicht die
Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 aus. Neben den dort
gemachten Angaben ist ein gesonderter Antrag nicht erforderlich.

3. Erhalten Ehegatten/Lebenspartner die doppelte EPP?

Ja. Die EPP wird jedem Anspruchsberechtigten einmal gewährt. Bei der
Zusammenveranlagung erhalten beide Ehegatten/Lebenspartner einen
zusammengefassten Einkommensteuer- und/oder Vorauszahlungsbescheid. Sind beide
Ehegatten/Lebenspartner für die EPP anspruchsberechtigt, erhalten auch beide
Ehegatten/Lebenspartner im Rahmen der Zusammenveranlagung die EPP, wenn nicht
bereits eine Auszahlung der EPP durch den Arbeitgeber erfolgte. Wenn nur ein
Ehegatte/Lebenspartner für die EPP anspruchsberechtigt ist, wird sie auch bei
Zusammenveranlagung nur einmal gewährt.

4 Wird auch für Arbeitnehmer eine EPP festgesetzt?

Bei Arbeitnehmern erfolgt eine Festsetzung der EPP nur, wenn diese noch nicht über den
Arbeitgeber ausgezahlt wurde. Das sind z. B. folgende Fälle:
- am 1. September 2022 liegt kein Dienstverhältnis vor,
- der Arbeitnehmer ist kurzfristig oder als Aushilfskraft in der Land- und
Forstwirtschaft beschäftigt,
- der Arbeitgeber gibt keine Lohnsteuer-Anmeldung ab,
- der Arbeitnehmer hat keinen inländischen Arbeitgeber (z. B. Grenzpendler/
Grenzgänger/in Botschaften oder Generalkonsulaten beschäftigte Ortskräfte).
Der Arbeitgeber ist beispielsweise dann von der Abgabe der Lohnsteuer-Anmeldung
befreit, wenn er ausschließlich „Minijobber“ beschäftigt, für die er die 2 %ige
Pauschalsteuer an die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See entrichtet.
Möchte der Arbeitnehmer wissen, ob er von seinem Arbeitgeber die Auszahlung der EPP
erwarten kann, empfiehlt es sich, beim Arbeitgeber nachzufragen, ob dieser die
Voraussetzungen für die Auszahlung erfüllt.

V. Anrechnung auf die Einkommensteuer

Auswirkungen der EPP auf die Einkommensteuer:

Die im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung für das Jahr 2022 festgesetzte EPP
mindert die festgesetzte Einkommensteuer im Wege der Anrechnung für das Jahr 2022,
d. h. sie wird von der festgesetzten Einkommensteuer abgezogen. Ist die festgesetzte EPP
höher als die festgesetzte Einkommensteuer, kommt es zu einer Erstattung des
übersteigenden Betrags an den Anspruchsberechtigten.
Zahlt der Arbeitgeber die EPP an den Arbeitnehmer aus, wird die EPP in der
Einkommensteuerveranlagung weder festgesetzt noch angerechnet.

VI. Auszahlung an Arbeitnehmer durch Arbeitgeber

1. In welchen Fällen erhalten Arbeitnehmer die EPP vom Arbeitgeber
ausgezahlt?

Arbeitnehmer erhalten die EPP vom inländischen Arbeitgeber ausgezahlt, wenn sie
unbeschränkt steuerpflichtig sind und am 1. September 2022
1. in einem gegenwärtigen ersten Dienstverhältnis stehen und
2. in eine der Steuerklassen I bis V eingereiht sind oder im Rahmen einer
geringfügigen Beschäftigung nach § 40a Absatz 2 Einkommensteuergesetz
pauschal besteuerten Arbeitslohn beziehen („Minijobber“) und dem Arbeitgeber
schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt.
Auch in den Fällen des Bezugs von Lohnersatzleistungen, die zum Bezug der EPP
berechtigen (z. B. Krankengeld, Elterngeld, Kurzarbeitergeld), hat der Arbeitgeber die
EPP an den Arbeitnehmer auszuzahlen.

3. Wie ist zu verfahren, wenn der Arbeitnehmer zum 15. September 2022 das
Dienstverhältnis wechselt?

Der Arbeitgeber, bei dem der Arbeitnehmer am 1. September 2022 noch im Rahmen des
ersten Dienstverhältnisses beschäftigt ist und abgerechnet wird, zahlt die EPP aus.
Doppelzahlungen in den Fällen eines Arbeitgeberwechsels kann es somit nicht geben.

4. Wie ist zu verfahren, wenn der Abrechnungsstelle des Arbeitgebers erst
nachträglich bekannt wird, dass der Arbeitnehmer vor dem 1. September
2022 ausgeschieden ist?

Die EPP ist vom Arbeitgeber an Arbeitnehmer auszuzahlen, die am 1. September 2022 in
einem gegenwärtigen ersten Dienstverhältnis zum Arbeitgeber stehen. Liegt die
Voraussetzung nicht vor (auch, wenn sich dies erst später herausstellt), ist
- die bereits ausgezahlte EPP vom Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer bis
zur Übermittlung oder Ausschreibung der Lohnsteuerbescheinigung
zurückzufordern und
- die auf die EPP entfallende Lohnsteuer nach den allgemeinen Regeln (§ 41c
Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Einkommensteuergesetz) zu korrigieren.
Wenn die EPP bereits über eine Minderung der Lohnsteuer in der LohnsteuerAnmeldung refinanziert wurde, ist diese Lohnsteuer-Anmeldung zu korrigieren.
Ansonsten würde dem Arbeitgeber die EPP zu Unrecht erstattet.

5. Wie ist zu verfahren, wenn der Arbeitgeber die fristgerechte Auszahlung
der EPP versäumt, z. B. weil der Abrechnungsstelle des Arbeitgebers mit
monatlichem Anmeldungszeitraum erst nachträglich bekannt wird, dass
ein Arbeitnehmer am 1. September 2022 eingestellt wurde?

Da der Arbeitnehmer am 1. September 2022 in einem gegenwärtigen ersten
Dienstverhältnis zum Arbeitgeber steht, hat der Arbeitgeber die EPP an den
Arbeitnehmer auszuzahlen. Die Auszahlung hat in der Regel im September 2022 zu
erfolgen. Kann die Auszahlung aus organisatorischen oder abrechnungstechnischen
Gründen nicht mehr fristgerecht im September 2022 erfolgen, bestehen keine Bedenken,
wenn die Auszahlung mit der Lohn-/Gehalts-/Bezügeabrechnung für einen späteren
Abrechnungszeitraum des Jahres 2022, spätestens bis zur Übermittlung der
Lohnsteuerbescheinigung für den Arbeitnehmer, erfolgt.
Die Refinanzierung des Arbeitgebers erfolgt über eine korrigierte LohnsteuerAnmeldung für August 2022.

6. Wie ist zu verfahren, wenn über die ELStAM-Änderungsliste rückwirkend
der Hauptarbeitgeber geändert wird und nachträglich die Steuerklasse VI
anzuwenden ist, die EPP aber bereits ausgezahlt und bei der LohnsteuerAnmeldung zum Abzug gebracht worden ist?

Die EPP ist vom Arbeitgeber an Arbeitnehmer auszuzahlen, die am 1. September 2022 in
einem gegenwärtigen ersten Dienstverhältnis zum Arbeitgeber stehen (keine
Steuerklasse VI). Liegt die Voraussetzung nicht vor (auch, wenn sich dies erst später
herausstellt), ist
- die bereits ausgezahlte EPP vom Arbeitgeber gegenüber dem Arbeitnehmer bis
zur Übermittlung oder Ausschreibung der Lohnsteuerbescheinigung
zurückzufordern und
- die auf die EPP entfallende Lohnsteuer nach den allgemeinen Regeln (§ 41c
Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 Einkommensteuergesetz) zu korrigieren.
Wenn die EPP bereits über eine Minderung der Lohnsteuer in der LohnsteuerAnmeldung refinanziert wurde, ist diese Lohnsteuer-Anmeldung zu korrigieren.
Ansonsten würde dem Arbeitgeber die EPP zu Unrecht erstattet.

7. Wie erfährt der Arbeitgeber bei geringfügig Beschäftigten (Minijobber),
dass es sich um das erste Dienstverhältnis handelt?

Der Arbeitnehmer muss dem Arbeitgeber schriftlich bestätigen, dass es sich um das erste
Dienstverhältnis handelt (vgl. VI. Nr. 8). In den Fällen einer geringfügigen Beschäftigung
mit Pauschalbesteuerung nach § 40a Absatz 2 Einkommensteuergesetz darf der
Arbeitgeber die EPP nur dann an seinen Arbeitnehmer auszahlen, wenn eine
entsprechende Bestätigung des Arbeitnehmers vorliegt. Macht der Arbeitnehmer falsche
Angaben, um die EPP trotz der entgegenstehenden gesetzlichen Regelung mehrfach zu
erhalten, greifen die Straf- und Bußgeldvorschriften der Abgabenordnung

8. Gibt es ein Muster für die Bestätigung des „ersten Dienstverhältnisses“?

Die Bestätigung kann wie folgt ausformuliert sein:
„Hiermit bestätige ich ………………….. (Arbeitnehmer), dass mein am 1. September
2022 bestehendes Dienstverhältnis mit ………………… (Arbeitgeber) mein erstes
Dienstverhältnis (Haupt-Dienstverhältnis) ist. Mir ist bekannt, dass bei einer
unrichtigen Angabe der Tatbestand einer Steuerstraftat oder -
ordnungswidrigkeit vorliegen kann.
Hinweis:
Die Energiepreispauschale steht jeder anspruchsberechtigten Person nur einmal
zu, auch wenn im Jahr 2022 mehrere Tätigkeiten ausübt werden. In den Fällen
einer geringfügigen Beschäftigung (Minijob) darf der Arbeitgeber die
Energiepreispauschale nur dann an den Arbeitnehmer auszahlen, wenn es sich
bei der Beschäftigung um das erste Dienstverhältnis (Haupt-Dienstverhältnis)
handelt. Dadurch soll verhindert werden, dass die Energiepreispauschale an
einen Arbeitnehmer mehrfach ausgezahlt wird.“

9 Der Arbeitnehmer hat zum 1. September 2022 neben seiner
Hauptbeschäftigung auch einen Minijob. Kann der Arbeitnehmer wählen,
welcher Arbeitgeber die EPP auszahlt?

Nein. Die EPP ist in diesen Fällen nur vom Hauptarbeitgeber auszuzahlen.

10. Wann zahlt der Arbeitgeber die EPP an seine Arbeitnehmer aus?

Arbeitgeber haben die EPP in der Regel im September 2022 an ihre Arbeitnehmer
auszuzahlen. Bei vorschüssiger Lohn-/Gehalts-/Bezügezahlung ist eine Auszahlung mit
der Abrechnung für den Lohnzahlungszeitraum September 2022 aus steuerrechtlicher
Sicht nicht zu beanstanden. Gibt der Arbeitgeber die Lohnsteuer-Anmeldung
vierteljährlich ab, kann die EPP an den Arbeitnehmer davon abweichend im Oktober
2022 ausgezahlt werden (Wahlrecht). Gibt der Arbeitgeber die Lohnsteuer-Anmeldung
jährlich ab, kann er ganz auf die Auszahlung an seine Arbeitnehmer verzichten. Die
Arbeitnehmer können in diesem Fall die EPP über die Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 erhalten.
Kann die Auszahlung aus organisatorischen oder abrechnungstechnischen Gründen nicht
mehr fristgerecht im September 2022 erfolgen, bestehen keine Bedenken, wenn die
Auszahlung mit der Lohn-/Gehalts-/Bezügeabrechnung für einen späteren
Abrechnungszeitraum des Jahres 2022, spätestens bis zur Übermittlung der
Lohnsteuerbescheinigung für den Arbeitnehmer, erfolgt.

11. Gibt es Erleichterungen für Arbeitgeber, die vierteljährlich oder jährlich die
Lohnsteuer-Anmeldung abgeben?

Ja. Der Arbeitgeber mit vierteljährlichem Anmeldungszeitraum kann die EPP an den
Arbeitnehmer abweichend von der Regel im Oktober 2022 auszahlen. Der Arbeitgeber
mit jährlichem Anmeldungszeitraum kann auf die Auszahlung an den Arbeitnehmer
gänzlich verzichten. Im letztgenannten Fall kann ein anspruchsberechtigter
Arbeitnehmer die EPP dann über die Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das
Jahr 2022 erhalten.

12. Ein Arbeitnehmer ist von Januar bis September 2022 arbeitslos gemeldet
und hat auch keinen Minijob. Er beginnt am 1. Oktober 2022 eine Tätigkeit
als Arbeitnehmer. Darf oder muss der Arbeitgeber die EPP noch auszahlen,
wenn er vierteljährlich die Lohnsteuer-Anmeldung abgibt?

Der Arbeitgeber darf die EPP nicht auszahlen, weil am 1. September 2022 kein
gegenwärtiges erstes Dienstverhältnis vorliegt. Der Arbeitnehmer kann in diesem Fall
die EPP über die Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 erhalten.

13 Ein Arbeitnehmer ist von Oktober 2021 bis September 2022 erkrankt und
erhält ab Dezember 2021 nur noch Krankengeld von seiner gesetzlichen
Krankenversicherung. Darf oder muss der Arbeitgeber die EPP noch
auszahlen?

Der Arbeitgeber muss die EPP auszahlen, weil am 1. September 2022 ein gegenwärtiges
erstes Dienstverhältnis vorliegt. Lediglich der Anspruch auf Auszahlung des Arbeitslohns
ist unterbrochen.

14. Ein Arbeitnehmer befindet sich zum 1. September 2022 in Elternzeit.
Bekommt er trotzdem die EPP?

Ja. Beschäftigte in Elternzeit erhalten ebenfalls die EPP, wenn sie in 2022 auch Elterngeld
beziehen. Die Auszahlung erfolgt in der Regel über den Arbeitgeber. Den Bezug von
Elterngeld hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nachzuweisen. Erfolgt keine
Auszahlung über den Arbeitgeber erhalten Arbeitnehmer die EPP über die Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022.

15. Der Arbeitnehmer wird wegen eines sog. Sabbatical ab 1. September 2022
unentgeltlich von der Arbeit freigestellt. Bekommt der Arbeitnehmer die
EPP über den Arbeitgeber ausgezahlt?

Der Arbeitgeber hat die EPP auszuzahlen, wenn er am 1. September 2022 weiterhin
Hauptarbeitgeber für diesen Arbeitnehmer ist. Hat sich der Arbeitgeber als
Hauptarbeitgeber für diesen Arbeitnehmer abgemeldet, erfolgt keine Auszahlung über
den Arbeitgeber. Diese Arbeitnehmer erhalten die EPP über die Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022.

16. Das aktive Dienstverhältnis endet zum 31. Juli 2022 und der Arbeitnehmer
bezieht eine Rente. Ab dem 1. August 2022 bezieht der ehemalige
Arbeitnehmer zudem eine lohnsteuerpflichtige Betriebsrente
(Steuerklasse I). Bekommt er die EPP über den Arbeitgeber ausgezahlt?

Nein. Der Anspruchsberechtigte erhält die EPP über die Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022.

17. Bekommen Arbeitgeber die an Arbeitnehmer ausgezahlte EPP erstattet?

Ja. Die Arbeitgeber können die EPP gesondert vom Gesamtbetrag der einzubehaltenden
Lohnsteuer entnehmen, die
1. bei monatlichem Anmeldungszeitraum bis zum 12. September 2022 (weil der
10. September 2022 ein Samstag ist),
2. bei vierteljährlichem Anmeldungszeitraum bis zum 10. Oktober 2022 und
3. bei jährlichem Anmeldungszeitraum bis zum 10. Januar 2023
anzumelden und abzuführen ist. Übersteigt die insgesamt zu gewährende EPP den
Betrag, der insgesamt an Lohnsteuer abzuführen ist, wird der übersteigende Betrag dem
Arbeitgeber von dem Finanzamt erstattet, an das die Lohnsteuer abzuführen ist.
Technisch wird dies über eine sog. Minus-Lohnsteuer-Anmeldung abgewickelt. Ein
gesonderter Antrag des Arbeitgebers ist nicht erforderlich. Der Erstattungsbetrag wird
in diesem Fall auf das dem Finanzamt benannte Konto des Arbeitgebers überwiesen.
Die EPP ist in der Lohnsteuer-Anmeldung mit einer zusätzlichen Kennzahl aufgeführt.
Dies dient statistischen Zwecken.

18. Ist es zulässig, dass ein Arbeitgeber mit monatlichem Anmeldungszeitraum
die Refinanzierung auf den 10. Oktober 2022 (Lohnsteuer-Anmeldung für
September 2022) verschiebt?

Nein. Aufgrund der gesetzlichen Vorgabe kann die Refinanzierung nicht verschoben
werden.
Selbst im Falle einer späteren Auszahlung bleibt für die Refinanzierung der EPP bei
monatlich einzureichenden Anmeldungen der 12. September 2022 als Stichtag
maßgebend.

19. Ist die Kompensation für die ausgezahlte EPP für die Arbeitgeber eine
Betriebseinnahme?

Die Auszahlung der EPP an die Arbeitnehmer ist eine Betriebsausgabe, die
Refinanzierung über die Lohnsteuer-Anmeldung eine Betriebseinnahme. Im Ergebnis
sind die Zahlungsvorgänge zur EPP beim Arbeitgeber ohne Gewinnauswirkung.

20. Werden dem Arbeitgeber die Kosten für den mit der Auszahlung der EPP
verbundenen Aufwand erstattet?

Eine Kostenerstattung für die Unternehmen ist nicht vorgesehen. Der Kostenaufwand
kann sich bei diesen aber nach den allgemeinen Regeln steuermindernd auswirken.

21. Ein Arbeitnehmer wohnt in Deutschland und arbeitet als Grenzpendler
oder Grenzgänger in einem Nachbarland. Bekommt er die EPP trotzdem?

Ja. Grenzpendler oder Grenzgänger, die in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind
und im Jahr 2022 Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit von einem ausländischen
Arbeitgeber beziehen, haben einen Anspruch auf die EPP. Der Anspruch auf die EPP
besteht unabhängig davon, ob Deutschland auch das Besteuerungsrecht am Arbeitslohn
zusteht. Der ausländische Arbeitgeber zahlt jedoch keine EPP nach deutschem Recht. Die
Arbeitnehmer erhalten die EPP von ihrem Finanzamt über die Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022.

22. Ein Arbeitnehmer wohnt im Ausland und arbeitet als Grenzpendler in
Deutschland. Bekommt er die EPP?

Nein. Steuerpflichtige ohne Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt im Inland,
insbesondere beschränkt einkommensteuerpflichtige Arbeitnehmer, sind nicht
anspruchsberechtigt.

23. Wie ist bei bisher unbeschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern, die in
2022, aber vor dem 1. September 2022 ins Ausland umgezogen sind, zu
verfahren (Wechsel von der unbeschränkten zur beschränkten
Steuerpflicht)?

Die EPP ist über den Arbeitgeber auszuzahlen.

24 Wie ist bei bisher beschränkt steuerpflichtigen Arbeitnehmern, die in 2022,
aber nach dem 1. September 2022 nach Deutschland umgezogen sind, zu
verfahren (Wechsel von der beschränkten zur unbeschränkten
Steuerpflicht)?

Die EPP wird nicht über den Arbeitgeber ausgezahlt. Die Arbeitnehmer können die EPP
nur über die Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 erhalten.

25. Muss der Arbeitgeber die Auszahlung der EPP an den Arbeitnehmer
bescheinigen?

Eine vom Arbeitgeber ausgezahlte EPP ist in der elektronischen
Lohnsteuerbescheinigung oder in der Besonderen Lohnsteuerbescheinigung mit dem
Großbuchstaben E anzugeben. Dem Finanzamt wird damit die Möglichkeit gegeben, in
der Einkommensteuerveranlagung mögliche Doppelzahlungen (Auszahlung über den
Arbeitgeber und zusätzlich im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung 2022) zu
vermeiden.
Für geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer, für die der Arbeitgeber die Lohnsteuer nach
§ 40a Absatz 2 Einkommensteuergesetz pauschal erhoben hat, ist auch bei Auszahlung
der EPP an den Arbeitnehmer keine Lohnsteuerbescheinigung auszustellen. Gibt der
Arbeitnehmer eine Einkommensteuerklärung für 2022 ab, muss er in der Erklärung
angeben, dass er die EPP bereits vom Arbeitgeber erhalten hat.

26. Wenn der Arbeitgeber neben einem Guthaben aus der LohnsteuerAnmeldung noch offene Steuerschulden hat (z. B. Umsatzsteuer oder
persönliche - ggf. gestundete - Einkommensteuer), werden diese
miteinander verrechnet?

Ja. Es gelten die allgemeinen Regelungen der Abgabenordnung.

VII. EPP im Einkommensteuer-Vorauszahlungsverfahren

1. Für die Bezieher welcher Einkunftsarten mindert die EPP die
Einkommensteuer-Vorauszahlungen?

Einkommensteuer-Vorauszahlungen werden gemindert, wenn sie auch für Einkünfte aus
§ 13 (Land- und Forstwirtschaft), § 15 (Gewerbebetrieb) oder § 18 (selbständige Arbeit)
Einkommensteuergesetz festgesetzt worden sind.
Einkommensteuer-Vorauszahlungen werden nicht gemindert, sofern gleichzeitig
Einkünfte gem. § 19 Einkommensteuergesetz erzielt werden (vgl. auch VII. Nr. 6). Dies
vermeidet Doppelzahlungen, weil unbeschränkt Steuerpflichtige mit Einkünften aus
nichtselbständiger Arbeit die EPP regelmäßig über Ihren Arbeitgeber erhalten.
Anspruchsberechtigte Empfänger von Versorgungsbezügen (Anspruchsberechtigung
z. B., weil neben den Versorgungsbezügen noch eine selbständige Tätigkeit ausgeübt
wird) erhalten die EPP nach Abgabe einer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022
im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung

2. Welche Einkommensteuer-Vorauszahlung wird herabgesetzt?

Es wird nur die Einkommensteuer-Vorauszahlung für das 3. Quartal 2022, also die
Zahlung für den 10. September 2022 herabgesetzt.

3. In welcher Höhe wird die Einkommensteuer-Vorauszahlung herabgesetzt?

Sind für den 10. September 2022 Einkommensteuer-Vorauszahlungen festgesetzt
worden, dann ist diese Festsetzung um die EPP zu mindern.
Betragen die für den 10. September 2022 festgesetzten Vorauszahlungen weniger als
300 Euro, so mindert die EPP die Einkommensteuer-Vorauszahlung auf 0 Euro. Den
übersteigenden Betrag erhalten die Anspruchsberechtigten nach Abgabe einer
Einkommensteuererklärung dann automatisch von ihrem Finanzamt. Wurden bisher
keine Einkommensteuer-Vorauszahlungen festgesetzt, vgl. VII. Nr. 4.

4. Wie wird die EPP an anspruchsberechtigte Personen ausgezahlt, wenn
keine Einkünfte als Arbeitnehmer bezogen und keine Vorauszahlungen für
Einkünfte aus § 13 (Land- und Forstwirtschaft), § 15 (Gewerbebetrieb)
oder § 18 (selbständige Arbeit) Einkommensteuergesetz geleistet werden?

Die EPP wird vom Finanzamt ausgezahlt, nachdem für das Jahr 2022 eine
Einkommensteuererklärung abgegeben und die EPP mit dem Einkommensteuerbescheid
für 2022 festgesetzt wurde. Ein gesonderter Antrag ist nicht erforderlich.

5. Auf welche Weise erfolgt die Herabsetzung der EinkommensteuerVorauszahlungen?

Die Minderung der Einkommensteuer-Vorauszahlung für den 10. September 2022 hat
durch Allgemeinverfügung nach § 118 Satz 2 Abgabenordnung oder durch geänderten
Vorauszahlungsbescheid zu erfolgen.
Die obersten Finanzbehörden der Länder entscheiden über das Vorgehen jeweils in
eigener Zuständigkeit.

Herabsetzung durch Vorauszahlungsbescheid:
Es wird ein entsprechend geänderter Vorauszahlungsbescheid für den 10. September
2022 verschickt.

Herabsetzung durch Allgemeinverfügung:
Sachlich zuständig für den Erlass der Allgemeinverfügung ist jeweils die oberste
Landesfinanzbehörde. Die Allgemeinverfügung ist im Bundessteuerblatt und auf den
Internetseiten des Bundesministeriums der Finanzen zu veröffentlichen. Sie gilt am Tag
nach der Herausgabe des Bundessteuerblattes, in dem sie veröffentlicht wird, als
bekannt gegeben.

Das bedeutet:
Gibt die oberste Finanzbehörde eines Landes eine Allgemeinverfügung heraus, wird –
soweit die Allgemeinverfügung reicht – von Amts wegen kein geänderter
Vorauszahlungsbescheid verschickt. Die Herabsetzung der Vorauszahlungen erfolgt
verwaltungsintern. Wurden bereits für den 10. September 2022 auf der Grundlage des
„alten“ Vorauszahlungsbescheides Zahlungen an das Finanzamt geleistet, wird der
überzahlte Betrag automatisch auf das Konto zurückerstattet, soweit keine weiteren
Steuerrückstände bestehen.

6. Kann die EPP doppelt ausgezahlt werden? Was ist zu tun?

Der Anspruch auf EPP besteht für jede anspruchsberechtigte Person nur einmal. Das gilt
auch, wenn im Jahr 2022 neben Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit
Gewinneinkünfte (§§ 13, 15, 18 Einkommensteuergesetz) bezogen werden. Es kann aber
vorkommen, dass Arbeitnehmer, die zusätzlich anspruchsberechtigende Einkünfte, z. B.
aus einem Gewerbebetrieb beziehen, die EPP sowohl vom Arbeitgeber als auch durch
eine automatische Herabsetzung von Vorauszahlungen erhalten. In diesen Fällen
korrigiert das Finanzamt die doppelte Auszahlung der EPP mit der
Einkommensteuerveranlagung für das Jahr 2022.

7. Kann die durch Minderung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen
ausgezahlte EPP im Veranlagungsverfahren zurückgefordert werden?

Die im Einkommensteuer-Vorauszahlungsverfahren berücksichtigte EPP hat vorläufigen
Charakter. Im Einkommensteuer-Veranlagungsverfahren wird die
Anspruchsberechtigung überprüft. Besteht kein Anspruch, z. B. weil im
Veranlagungszeitraum 2022 keine Einkünfte aus § 13 Einkommensteuergesetz (Landund Forstwirtschaft), § 15 Einkommensteuergesetz (Gewerbebetrieb) oder § 18
Einkommensteuergesetz (selbständige Arbeit) erzielt worden sind, wird die EPP
zurückgefordert.

VIII. Steuerpflicht

1. Ist die EPP einkommensteuerpflichtig?

Ja. Bei Anspruchsberechtigten, die in 2022 keine Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit
bezogen haben, ist die EPP stets als „sonstige Einkünfte“ zu behandeln (§ 22 Nummer 3
Einkommensteuergesetz). Die Freigrenze des § 22 Nummer 3 Satz 2
Einkommensteuergesetz in Höhe von 256 Euro findet auf die EPP keine Anwendung. Bei Arbeitnehmern, die im Veranlagungszeitraum 2022 Einkünfte aus nichtselbständiger
Arbeit erzielt haben, wird die EPP wie Arbeitslohn als Einnahme nach § 19 Absatz 1
Satz 1 Nummer 1 Einkommensteuergesetz für das Jahr 2022 berücksichtigt.
Bei Arbeitnehmern, die ausschließlich pauschal besteuerten Arbeitslohn aus einer
kurzfristigen oder geringfügigen Beschäftigung oder einer Aushilfstätigkeit in der Landund Forstwirtschaft erzielen und im gesamten Jahr 2022 keine weiteren
anspruchsberechtigenden Einkünfte haben, gehört die EPP nicht zu den steuerpflichtigen
Einnahmen.

2. Ist die EPP lohnsteuerpflichtig?

Ja. Die vom Arbeitgeber ausgezahlte EPP unterliegt als „sonstiger Bezug“ dem
Lohnsteuerabzug. Bei der Lohnsteuerberechnung ist die EPP bei der Berechnung der
Vorsorgepauschale (§ 39b Absatz 2 Satz 5 Nummer 3 Buchstabe a bis c
Einkommensteuergesetz) nicht zu berücksichtigen. Hintergrund hierfür ist, dass auf
entsprechende Lohnteile keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen.
Hinweis für Arbeitgeber/Softwareanbieter: Bei der maschinellen Lohnsteuerberechnung
ist die EPP dem Eingangsparameter SONSTENT zuzuordnen.
Wurde die EPP nicht über den Arbeitgeber ausgezahlt, erhöht das Finanzamt im
Veranlagungsverfahren den vom Arbeitgeber mit der Lohnsteuerbescheinigung
übermittelten Bruttoarbeitslohn um 300 Euro.

In welchem Jahr ist die EPP zu versteuern?

Eine Besteuerung erfolgt bei anspruchsberechtigten Arbeitnehmern, denen die EPP über
den Arbeitgeber ausgezahlt wurde, über die Lohnbesteuerung in 2022. Arbeitnehmer,
die die EPP erst mit der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 geltend machen
können (z. B., weil am 1. September 2022 kein gegenwärtiges erstes Dienstverhältnis
vorliegt), versteuern die EPP mit der Einkommensteuerveranlagung für 2022, auch wenn
die EPP erst in 2023 oder ggf. später zufließt. Das sonst geltende Zu- und Abflussprinzip
(§ 11 Einkommensteuergesetz) ist hier nicht anzuwenden.
Bei selbständig tätigen Anspruchsberechtigten erhöht die EPP die Einkünfte für den
Veranlagungszeitraum 2022. Das sonst geltende Zu- und Abflussprinzip ist auch hier
nicht anzuwenden.

4. Unterliegt die EPP bei Selbständigen der Umsatz- und der Gewerbesteuer?

Nein. Die EPP unterliegt weder der Umsatz- noch der Gewerbesteuer.

5. Sind Steuerpflichtige, die die EPP erhalten haben, verpflichtet, eine
Einkommensteuererklärung für den Veranlagungszeitraum 2022
abzugeben?

Grundsätzlich nein. Arbeitnehmer, an die die EPP über den Arbeitgeber ausgezahlt wird,
sind allein deshalb nicht verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben.
Wird die EPP über eine Minderung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen ausgezahlt,
ist die Abgabe einer Einkommensteuererklärung erforderlich, und es wird eine
Einkommensteuerveranlagung durchgeführt.
In anderen Fällen können Anspruchsberechtigte die EPP infolge der Abgabe einer
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2022 erhalten (z. B. Arbeitnehmer, die am
1. September 2022 in keinem Dienstverhältnis stehen oder Selbständige, für die bisher
keine Vorauszahlungen festgesetzt wurden).

6. Ist die EPP beitragspflichtig in der Sozialversicherung?

Nein. Die EPP ist keine beitragspflichtige Einnahme in der Sozialversicherung

7. Ist die EPP in der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes ein
zusatzversorgungspflichtiges Entgelt?

Nein. Die EPP ist keine beitragspflichtige Einnahme in der Zusatzversorgung des
öffentlichen Dienstes.

8. Wird die EPP bei Minijobs auf die 450 Euro-Grenze (ab Oktober 520 EuroGrenze) angerechnet.

Nein. Die EPP ist kein sozialversicherungspflichtiges Entgelt

9. Die anspruchsberechtigte Person erzielt ausschließlich steuerfreie
Einkünfte (z. B. als Übungsleiter). Ist die EPP steuerpflichtig?

Ja. Die EPP ist unabhängig von der Steuerfreiheit der übrigen Einkünfte in der Regel
steuerpflichtig.

10. Wirkt sich die lohnsteuerpflichtige EPP bei der sog. Riesterförderung auf
die Mindesteigenbeitragsberechnung aus?

Nein. Die EPP ist zwar grundsätzlich lohnsteuerpflichtig; sie ist jedoch
keine beitragspflichtige Einnahme in der Sozialversicherung und keine Besoldung

IX. Anwendung der Billigkeitsregelungen der Abgabenordnung

Kann die EPP aus Billigkeitsgründen auch gewährt werden, wenn keine
Anspruchsberechtigung besteht?

Nein. Für die Verwaltung der EPP durch die Finanzämter gelten zwar die gleichen
verfahrensrechtlichen Bestimmungen der Abgabenordnung wie für Steuervergütungen,
jedoch nicht die Billigkeitsregelung nach § 163 Abgabenordnung.

X. Anwendung von Straf- und Bußgeldvorschriften der
Abgabenordnung

Macht sich eine Person strafbar, wenn sie sich die EPP durch
Falschangaben auszahlen lässt?

Auch für die EPP gelten die Straf- und Bußgeldvorschriften der Abgabenordnung.
Vorsätzlich falsche Angaben - zum Beispiel mit dem Ziel, die EPP unberechtigt oder
mehrfach zu erhalten - sind demnach strafbewehrt. Auch vorsätzlich unrichtige Angaben
des Arbeitgebers, durch die der Arbeitnehmer oder ein sonstiger Dritter nicht
gerechtfertigte EPP erhält, sind strafbewehrt.
Leichtfertig unrichtige Angaben können eine Ordnungswidrigkeit darstellen, die mit
einer Geldbuße geahndet wird.

XI. Nichtberücksichtigung als Einkommen bei Sozialleistungen

Ist die EPP bei einkommensabhängigen Sozialleistungen als Einkommen zu
berücksichtigen?

Nein. Die EPP ist bei einkommensabhängigen Sozialleistungen nicht als Einkommen zu
berücksichtigen, da die EPP ebenfalls eine staatliche Sozialleistung darstellt.

Quelle: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/FAQ/2022-06-17-Energiepreispauschale.html

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